Hier sind die Antworten auf Ihre Impf-Fragen

„Jede Frage dazu ist wichtig“

 

Im Webinar mit Dr. Kreidl von der MedUni Innsbruck konnten wir viele offene Punkte zum Thema Corona-Impfung klären. Aufgrund der überwältigenden Anzahl an Teilnehmer*innen blieben dennoch dutzende Fragen aus dem Publikum aus Zeitgründen unbeantwortet. Diese wurden nun im Nachgang von Dr. Kreidl in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Dr. Würzner für Sie aufbereitet:

 

 

Allergien

Frage aus dem Publikum: Mein Körper produziert zu viel Histamin und ich nehme deswegen regelmäßig Antihistamin. Kann die Impfung für mich problematisch sein?

Experten: Nicht anzunehmen.

 

Wie sieht es aus, wenn man starke Pollenallergikerin ist?

Keine Kontraindikation, Sie können sich impfen lassen.

 

Bei welchen Allergien ist die 30 Minuten Beobachtungszeit wichtig (auch bei Heuschnupfen/ Tierhaarallergie/Hausstaubmilbe)?

15 Minuten sollte bei jeder Impfung nachbeobachtet werden, 30 Minuten zum Beispiel bei der Anamnese einer anaphylaktischen Reaktion (wie etwa auf andere Impfstoffe, Medikamente etc.).

 

Kann die Impfung bei Allergien auf Gräser, Pollen, bestimmte Lebensmittel etc. problematisch sein?

Keine Kontraindikation, anaphylaktische Reaktionen sind extrem selten (bei ca. 1:100.000 Geimpften).

 

Ist eine Kontaktallergie gegen Propylenglycol eine Kontraindikation?

Vorsicht ist geboten: unbedingt mit Allergologen abklären, obwohl Kontaktallergien nicht unbedingt eine Kontraindikation darstellen.

 

 

Übertragung

Sind Kinder auch Überträger?

Ja, sie können definitiv Überträger sein. In vielen Studien wurden auch Kinder – zwar je jünger, desto seltener – als Überträger identifiziert.

 

Ab wann sind Impfungen für Kinder geplant?

Nach dem Vorliegen ausreichender Studienergebnisse.

 

Finden Sie die Schulschließungen sinnvoll?

Schule ist sehr wichtig, aber das sind politische Entscheidungen.

 

Welche Hinweise gibt es, dass Geimpfte weniger Viren ausscheiden/übertragen?

Derzeit sind dazu noch wenige Daten vorhanden, aber das würde biologisch sehr plausibel sein.

 

Kann eine geimpfte Person oder eine Person, die eine Corona-Erkrankung hatte, das Virus nach erneuter Ansteckung übertragen?

Möglicherweise ja – aber eher ist anzunehmen, dass dies deutlich seltener vorkommt (wahrscheinlich überträgt die Person dann mit geringerer Viruslast und kürzerer Ausscheidungsdauer – harte Daten werden folgen).

 

 

Nebenwirkungen

Es gibt verschiedene Impfstoffe, einige davon sollen krebserregend sein. Welchen würden Sie empfehlen?

Es gibt derzeit bei keinem Impfstoff Hinweise, dass diese krebserregend sind (auch keine anderen Impfstoffe – eher ist das Gegenteil der Fall: So schützen Impfstoffe gegen zB Hepatitis B oder HPV definitiv vor Krebs).

 

 

Autoimmunerkrankungen

Reagieren Menschen mit einer Immunschwäche bzw. Autoimmunschwäche stärker mit Nebenwirkungen auf eine Impfung?

Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, es ist aber mit einer möglicherweise geringeren Effektivität der Impfung bei einigen Autoimmunerkrankungen zu rechnen (für alle drei derzeit zugelassenen Impfstoffe).

 

Wird die Impfung empfohlen bei einer entwickelten Blutgerinnungsstörung bzw. bei myeloproliferativen Erkrankungen (chronische Bluterkrankung)?

Auf jeden Fall ist dies mit dem behandelnden Arzt, der behandelnden Ärztin abzuklären, insbesondere bei Blutgerinnungsstörungen, da der Impfstoff intramuskulär verabreicht wird.

 

Empfehlen Sie die Impfung für Personen, die Immunsuppressiva erhalten?

Ja, siehe oben, auf jeden Fall mit dem behandelndem Arzt bzw. der behandelnden Ärztin abklären.

 

Was ist mit Autoimmunkrankheiten wie zB Myasthenie?

Siehe oben, auf jeden Fall mit behandelndem Arzt, der Ärztin abklären.

 

Was weiß man über die Auswirkung der Impfung auf bestehende Autoimmunerkrankungen (Hashimoto)? Kann es zu Verschlechterungen kommen?

Eine Verschlechterung ist nicht anzunehmen. Die Impfung sollte auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

 

 

Vorherige Erkrankung

Ich würde gerne wissen, wie die Impfstrategie bei Covid-Genesenen aussieht. Sollen Genesene geimpft werden?

Ja, dies wird prinzipiell empfohlen, aber da gerade Impfstoffmangel herrscht, sollten zunächst diejenigen geimpft werden, die noch nicht infiziert wurden. Genesene, die nach einer Testung noch Antikörper vorweisen, können bis zu sechs Monate mit der Impfung warten. Es gibt hier starke Hinweise darauf, dass ein Schutz vorliegt. Ohne Testung ist anzunehmen, dass zumindest bei 90% der Genesenen schützende Antikörper vorhanden sind – anschließend empfehlen wir auf jeden Fall, sich impfen zu lassen (Boosterwirkung).

 

Würden Sie Ihre 97-jährige Oma impfen lassen?

Wenn Sie bei einigermaßen guter Gesundheit ist, auf jeden Fall.

 

 

Booster Dosen

Muss die Impfung jedes Jahr aufgefrischt werden?

Derzeit nicht empfohlen, dies wird die Zukunft zeigen. Momentan sind hier nicht genügend Daten vorhanden. Mutationen treten aber immer häufiger und verbreitet auf.  Damit auch diese Mutationen, die vom herkömmlichen Impfstoff eventuell nicht erfasst werden, abgedeckt sind, ist eine erforderliche Auffrischung anzunehmen – dann mit modifizierten Impfstoffen.

 

Müssen beide Teilimpfungen mit demselben Impfstoff vorgenommen werden?

Ja, dies wird empfohlen.

 

Wie lange darf der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung maximal sein?

Es wird empfohlen, die vorgegebenen Abstände einzuhalten. Eine Verdopplung der Abstände ist – soweit bis jetzt bekannt – tolerierbar, d.h. ohne verminderte Wirkung der Impfung (natürlich abhängig vom Impfstoff). Es existieren aber noch sehr wenige Daten. Unbedingt sichergestellt werden sollte, dass alle Impflinge ihre zweite Dosis innerhalb des maximalen Zeitraums bekommen, bevor andere Personen das erste Mal geimpft werden.

 

Wenn die Impfstoffe erst jetzt weiterentwickelt und an die Mutationen angepasst werden, müssen sich dann früh Geimpfte neu impfen lassen?

Dies kann noch nicht final beantwortet werden. Bei der Mutation B117 sind die beiden mRNA-Impfstoffe effektiv, aber es ist wahrscheinlich, dass weitere Mutanten gegebenenfalls nicht mehr vom Impfstoff erfasst werden und so eine erneute Impfung mit einem modifizierten Impfstoff nötig wird.

 

 

Schwangerschaft und Stillen

Welche Auswirkungen hat die Impfung auf eine Schwangerschaft in nächster Zeit? Soll man sich impfen lassen, wenn man in ein bis zwei Jahren schwanger werden möchte?

Es gibt Gerüchte, dass sich die Impfung auf die Fruchtbarkeit von Frauen auswirkt. Was weiß man schon darüber? Wie wahrscheinlich sind Spätfolgen zB bei jungen Menschen bezüglich Fertilität?

Soll ich mich impfen lassen, wenn ein Kinderwunsch besteht?

Antwort zu oben gestellten Fragen: Es gibt keine Hinweise auf die Beeinträchtigung der Fertilität nach der Impfung; Bei Schwangeren gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Schädigung des Ungeborenen oder darauf, dass der Verlauf der Erkrankung schwerer ist. Die Datenlage ist jedoch dünn, weshalb Schwangere nicht geimpft werden sollten. Eine Impfung in der Schwangerschaft ist keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch. Tierversuche zeigen weder direkte noch indirekte toxische Effekte bei Nachkommen und keine Beeinträchtigungen der Fertilität.

 

Der Hausarzt einer Bekannten riet dieser, sich nicht vor dem fünfzigsten Lebensjahr impfen zu lassen, da derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Sterilität durch die Impfung zustande kommen kann – was sagen Sie dazu?

Diese Aussagen kann ich nicht nachvollziehen, dazu gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.

 

Sollte ich mir Sorgen machen, wenn ich mich jetzt impfen lasse und in einem halben Jahr schwanger werde?

Nein.

 

Soll man sich vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen?

Ja, da man nicht ausschließen kann, dass die Erkrankung bei Schwangeren mit einem schwereren Verlauf assoziiert ist.

 

Empfehlen Sie stillenden Müttern impfen zu gehen?

Auch wenn noch sehr wenige Daten vorliegen, ja, dies empfiehlt auch die WHO. Keine Daten liegen jedoch vor, ob es zur Ausscheidung der Impfung in der Muttermilch kommen kann, aber da sind wie bei anderen Impfungen keine Komplikationen zu erwarten.

 

Dauer der Immunität

Wie lange hält die Impfung an?

Der bisherige Beobachtungszeitraum lässt auf eine Immunität von mindestens sechs bis acht Monaten schließen, drei bis vier Monate sind gesichert (hier sind ausreichend Daten vorhanden).

 

Wieso kann man sagen, mit den aufgebauten Antikörpern nach einer Erkrankung ist man nur sechs Monate geschützt? Weiß man auch nicht, wie groß der Schutz sechs Monate nach der Impfung ist?

Der Beobachtungszeitraum ist noch nicht länger.

 

Mein Antikörpertest ist ein ELISA-Test, kennt man die Anzahl der Antikörper, die nach einer Impfung da sind, die ungefähre IgG Zahl? Welche Antikörperzahl ist gut, welche nicht mehr? Liegen hier irgendwelche Zahlen auf?

Antikörpertests gibt es von verschiedenen Anbietern. Die Tests korrelieren nicht. Man kennt die Höhe des schützenden Titers (noch) nicht, aber ein deutlich positiver Titer schützt in der Regel.

 

Sie haben gesagt, dass die Antikörper nach einer Erkrankung nicht für die Mutation wirken Warum hat man schon den Impfstoff parat, wenn die Mutationen gerade erst aufgetreten sind? Nach meinem Wissen ist eine Änderung des Impfstoffes auch nicht so einfach möglich, ohne wieder neue Studien durchführen zu müssen. Ist das eine Fehlinformation?

Die Forschung entwickelt sich immens schnell weiter, die Anpassung der mRNA Impfstoffe kann relativ schnell erfolgen und es wird schon mit Hochdruck daran gearbeitet. Da es sich nur um eher kleine Änderungen handelt, ist nicht mit vermehrten Nebenwirkungen zu rechnen, weil das Prinzip dasselbe bleibt. Aber selbstverständlich wird dies mit Daten untermauert werden. Studien laufen derzeit weiter.

 

Influenza

Ich habe von vielen Seiten gehört, dass es mittlerweile kaum noch Grippetote gibt. Kann man sagen, dass das Coronavirus die "neue" Grippe oder eine mutierte Grippe ist? 

Nein, das ist nicht der Fall. Allerdings wurde durch die eingeführten Maßnahmen wie dem „physical distancing“ auch die Übertragung der Grippe sehr stark unterbunden. Grippe ist eine vollkommen andere Infektionskrankheit als COVID-19 und kann durch eine Grippeimpfung zum Teil verhindert werden, zumindest die schweren Verläufe. Bei der Influenza sind außerdem Kinder die Hauptüberträger, nicht aber bei COVID-19.

 

Indikationen und Kontraindikation für die Impfung

Gibt es eine Altersbeschränkung bei den verschiedenen Impfstoffen?

Ja, derzeit gilt die Altersbeschränkung für den BioNTech/Pfizer-Impfstoff erst ab 16 Jahren und für die Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca jeweils ab 18 Jahren, da (noch) keine weiteren verlässlichen Daten vorliegen. In Zukunft weiß man darüber sicher mehr. Hohes Alter ist keine Kontraindikation der beiden Impfstoffe, aber es sollte mit dem behandelten Arzt bzw. der Ärztin bei schwerkranken Patienten mit einer Lebenserwartung von weniger als drei Monaten individuell abgestimmt werden.

 

Wie wirken sich die Impfstoffe auf AllergikerInnen oder DiabetikerInnen aus? Dürfen diese geimpft werden?

Ja, Diabetiker gehören zur Zielgruppe und auch Allergiker, solange keine anaphylaktische Reaktion berichtet wurde. Ansonsten sollte die Abklärung mit dem behandelnden Allergologen erfolgen.

 

Meine Tochter wird im Oktober 16 Jahre alt. Würden Sie empfehlen, sie dann impfen zu lassen?

Ja, aber nur mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff, sobald sie an der Reihe ist. Die anderen beiden Impfstoffe sind erst ab 18 Jahren zugelassen.

 

Wenn man nach Impfungen starke Schwellungen bei der Einstichstelle hatte – ist es dann ratsam, sich impfen zu lassen?

Ja, dies sollte kein Problem sein und muss nicht notwendigerweise bei dieser Impfung erneut auftreten.

 

Ist Neomycinsulfat-Überempfindlichkeit ein Problem?

Nein, dies stellt für die Impfung kein Problem dar, da kein Neomycin enthalten ist.

 

Bei welchen Vorerkrankungen sollte man derzeit nicht impfen: Wie ist das mit Herz-, Lungen- und Krebs-oder neurologischen Erkrankungen?

Vorerkrankungen sind klassische Indikationen, da sie häufig mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert sind, daher ist die Impfung dringend angeraten!

 

Macht ein Antikörpertest Sinn?

Ein Antikörpertest macht Sinn für Genesene, da diese, wenn der Antiköpertest klar positiv ist, davon ausgehen können, für die nächsten Monate geschützt zu sein. Offiziell ist die Impfung auch recht bald nach durchgemachter Erkrankung empfohlen – siehe dazu weiter oben.

 

Andere

Warum konnte man es weltweit nicht schaffen, gemeinschaftlich an einem Impfstoff zu arbeiten?

Es ist sehr viel besser, dass an verschiedenen Arten von Impfstoffen geforscht wird und wurde, da man für den globalen Gebrauch etliche Milliarden(!) Impfdosen benötigt und ja vorher noch nicht weiß, welche möglichen Kandidaten sich dann bewähren. Es sind noch sehr viele Impfstoffe in Entwicklung (38 in Phase 1, 24 in Phase 2, 20 in Phase 3; 3 Kandidaten wurden abgelehnt).

 

Ist man mit Impfung auch anderweitig geschützt?

Nein, die Impfung wirkt nur gegen SARS-CoV-2 und nur gegen die derzeit zirkulierenden Mutanten, aber vermutlich nicht gegen alle zukünftigen Mutanten und sicher nicht gegen andere Erreger wie zB Grippeviren.

 

Wird vor der Impfung ein Test gemacht?

Nein, weder ein Antigentest, noch ein PCR-Test (Nachweis des Virus) noch ein Antikörpertest (Nachweis einer durchgemachten Infektion) sind vor einer geplanten Impfung offiziell angeraten. Bei Genesenen sind aber Antikörpertests ratsam. Bei einer akuten Infektion mit Fieber über 38,5 Grad sollte jedoch nicht geimpft werden.

 

Ich habe gehört, dass der Impfstoff von AstraZeneca im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen bis in den Zellkern eintritt. Könnte dies zu Problemen führen?

Auch der AstraZeneca-Impfstoff, kommt wie die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe nicht in den Zellkern.

 

Ist es möglich zB mittels homöopathischer Mittel dieselbe Immunität zu erreichen, wie mit der Impfung?

Auf keinen Fall. Homöopathie kann zwar möglicherweise Ihr Immunsystem insgesamt stärken, aber keine Immunität gegen irgendeine Infektionskrankheit aufbauen.

 

Wird dasVirus in abgeschwächter Form geimpft, sodass der Körper Antikörper bilden muss?

Dies ist bei anderen Lebendimpfstoffen der Fall (zB Masern-Mumps-Röteln, Gelbfieber). Es gibt auch COVID-19 Lebendimpfstoffkandidaten, die aber noch nicht zugelassen sind.

 

Wenn die Kinder in der Schule nicht geimpft werden können und wir Lehrer*innen schon, wie sinnvoll ist das dann? Müssen wir dann jedes Jahr geimpft werden?

Es wurde in etlichen Studien nachgewiesen, dass die Übertragung der Krankheit von Lehrer*innen auf Schüler*innen deutlich häufiger ist als umgekehrt.

 

Wie hoch muss die Virenlast sein, damit jemand angesteckt wird?

Die infektiöse Dosis ist noch nicht bekannt, es gibt aber manche Infizierte, die sehr viele anstecken, sogenannte Superspreader!

 

Haben Genesene einen besseren Schutz, weil nicht nur Antikörper gegen das Spike-Protein gebildet werden?

Möglicherweise trifft das zu. Allerdings wird bei der 1. Impfung auch schon ein geringer, aber nicht anhaltender Schutz aufgebaut. Erst die 2. Impfdosis unterstützt einen längeren Schutz.

 

Was ist Ihre Meinung zu Totimpfstoffen im Vergleich zu den jetzt vorhandenen?

Es gibt einige Impfstoffkandidaten, die in Europa nicht zugelassen sind, aber zB chinesische Impfstoffe enthalten ein abgetötetes Virus (wie die Impfstoffe von Sinovac und Sinopharm), die außerhalb der EU verwendet werden.

 

Ist das Medikament Intermektin auch wirksam?

Das Medikament Ivermectin (Wurmmedikament) hat keinen nachgewiesenen Nutzen gegen eine SARS-CoV-2 Infektion, ebenso wie Hydroxychloroquin (Malariamedikament) nicht die Sterblichkeit von COVID-19 senkt.

 

Warum braucht es einen Schimpansen-Virus als Trägerstoff? Warum soll ich mir als gesunder Mensch so einen Virus impfen lassen?

Adenoviren sind „Schnupfenviren“, und das im Impfstoff enthaltene Adenovirus ist ein so genanntes Schimpansenvirus, das für den Menschen nicht pathogen ist. Das Impfvirus kann sich im menschlichen Körper nicht vermehren. Bereits seit einigen Jahren sind Impfungen mit Adenoviren erfolgreich gegen Ebola im Einsatz.

 

Macht es Ihrer Meinung nach Sinn, Lehrer*innen am Donnerstag einen Gurgeltest machen zu lassen, dessen Ergebnis am Samstag vorliegt? Wäre nicht ein PCR Test empfehlenswerter, da das Ergebnis innerhalb von 15 Minuten vorliegt?

Der Gurgeltest ist die Abnahmemethode, dem normalerweise ein PCR Test folgt (daher dauert es auch länger). Mit einem Abstrich (Rachen- oder Nasenrachenraum) kann man entweder einen PCR Test oder einen Antigen-Schnelltest durchführen. Das Ergebnis eines PCR Tests dauert länger als das Ergebnis eines Antigen-Schnelltests (welcher aber weniger sensitiv ist). 

 

Wie lange kann man nach einer negativen Testung davon ausgehen, dass man negativ ist/bleibt. Wie lange ist dieser Zeitraum?

Das kann man schwer sagen. Man kann sich zB vor ein bis zwei Tagen angesteckt haben, der Test ist aber noch negativ und könnte schon am nächsten Tag positiv sein. Im Prinzip hängt es von der Exposition ab, also wie lange man dem Virus ausgesetzt ist durch zB enge Kontakte mit einer infizierten Person. Es dauert aber mindestens 36 Stunden, bis das Virus in einem negativen getesteten Menschen sich so vermehrt hat, dass der Betroffene ansteckend wird. Ist man also mit einem PCR-Test negativ getestet, ist man mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 36 Stunden nicht infektiös (in diesem Zeitraum kann man also die Oma besuchen!). Danach kann man sich nicht mehr sicher sein.

 

Warum ist der AstraZeneca-Impfstoff vom Preis her um so viel günstiger als zB der Pfizer-Imfpstoff ? Hat das auch etwas mit der Qualität zu tun?

AstraZeneca bedient sich einer anderen Herstellungsmethode – die Entwicklungskosten spielen auch eine große Rolle. Die Qualität des AstraZeneca-Impfstoffs ist auf jeden Fall ausreichend, sonst wäre er in der EU von der EMA nicht zugelassen worden.

 

Unter welchen Umständen werden Lockdown und Maskenpflicht endlich beendet?

Das ist eine politische Entscheidung, hängt aber sicher von der 7-Tagesinzidenz (Anzahl der im Durchschnitt in den letzten 7 Tagen beobachteten Fälle pro 100.000 Einwohner) ab.

 

Die Verbreitung von COVID-19 auf der Weltkarte betreffend: Warum gibt es in Afrika so wenige COVID-19-Infizierte?

Dafür gibt es wahrscheinlich mehrere Gründe: Die Bevölkerung in Afrika ist deutlich jünger, daher sind weniger schwere Verläufe und eine geringere Sterblichkeitzu erwarten. Außerdem gibt es sehr wenige Altenheime: In einigen Ländern Europas sind bis zu 40% der Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen aufgetreten. Antikörperstudien legen nahe, dass die Durchseuchung ähnlich hoch sein könnte wie in anderen Ländern. Die Gesundheitsversicherungen sind in afrikanischen Ländern oftmals schlechter, daher gehen Erkrankte meist erst ins Krankenhaus, wenn sie sehr schwer krank sind, da damit auch Kosten für sie verbunden sind. In Afrika treten Epidemien häufig auf und die Menschen können daher damit vielleicht besser umgehen: Maßnahmen werden in Afrika sehr gut angenommen, Afrika hat ein gutes „community health system“.  Möglicherweise spielen auch die geringeren Laborkapazitäten in Afrika auch eine Rolle, weil deshalb weniger Infektionen nachgewiesen werden (siehe auch https://www.bbc.com/news/world-africa-54418613). Auch das Klima könnte (möglicherweise, aber NICHT sicher) eine Rolle spielen, wenngleich in Südafrika, wo jetzt Hochsommer ist, sich eine neue Virusmutante sehr stark ausgebreitet hat und zu massiven Anstiegen der Infektionszahlen geführt hat.

 

Warum gibt es eine Impfung gegen das Sars-Cov2-Virus und noch keine Impfung gegen Rhinoviren, also simple Erkältungsviren? Was ist der Unterschied? Ist die Eintrittspforte nicht dieselbe?

Ja, die Eintrittspforte ist dieselbe, aber Rhinoviren sind meist nur für „Schnupfen“ oder eher leichtere Erkrankungen verantwortlich. Daher ist die Priorität der Impfstoffherstellung (derzeit) vergleichsweise niedrig.

 

Gilt man nach der Impfung als krankgeschrieben, wenn man Nebenwirkungen hat?

Nicht automatisch, zB bei Fieber kann Krankenstand aber durchaus in Anspruch genommen werden und muss über den Hausarzt veranlasst werden.

 

Informationsquellen

Wo kann man sich informieren, wenn die eigene Frage hier nicht beantwortet wurde?

Datenquellen z.B:

 

Dr. Peter Kreidl war jahrelanger Mitarbeiter am Europäischen Zentrum für Seuchenprävention sowie Abteilungsleiter für Infektionskrankheiten, Krisenmanagement und Seuchenhygiene im österreichischen Gesundheitsministerium. Seit 2015 arbeitet er als Senior Scientist an der Medizinischen Universität Innsbruck für Public Health.

Dr. Reinhard Würzner ist Arzt für Labormedizin, Hygiene und Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Der Medizinische Mikrobiologe ist stellvertretender Direktor des Hygiene-Instituts und zudem Mitglied des Coronavirus-Befundungsteams der Virologie.

 

Referenzen

  1. WHO COVID- vaccines (https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/covid-19-vaccines )
  2. Coronvirus vaccine tracker (https://www.nytimes.com/interactive/2020/science/coronavirus-vaccine-tracker.html)
  3. ECDC Monitoring COVID-19 vaccination across Europe (https://www.ecdc.europa.eu/en/news-events/covid-19-monitoring-vaccination-progress-europe)
  4. ECDC Q&A: Children aged 1-18 years and the role of school settings (https://www.ecdc.europa.eu/en/covid-19/facts/questions-answers-school-transmission
  5. ECDC: COVID-19 in children and the role of school settings in transmission - first update (https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/children-and-school-settings-covid-19-transmission )
  6. Operating schools during COVID-19: CDC's Considerations (https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/community/schools-childcare/schools.html )
  7. European Medicines Agency(EMA): COVID-19 vaccines : Key facts (https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory/overview/public-health-threats/coronavirus-disease-covid-19/treatments-vaccines/covid-19-vaccines-key-facts )
  8. European Commission: Safe vaccines for Europe (https://ec.europa.eu/info/live-work-travel-eu/coronavirus-response/safe-covid-19-vaccines-europeans_en )
  9. EMA: EMA recommends COVID-19 Vaccine AstraZeneca for authorisation in the EU (https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-covid-19-vaccine-astrazeneca-authorisation-eu )
  10. Product information: COVID-19 Vaccine AstraZeneca (https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/covid-19-vaccine-astrazeneca-product-information-approved-chmp-29-january-2021-pending-endorsement_en.pdf)
  11. EMA recommends COVID-19 vaccine Moderna for authorization in the EU (https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-covid-19-vaccine-moderna-authorisation-eu )
  12. Product information: COVID-19 vaccine Moderna (https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/covid-19-vaccine-moderna-epar-product-information_en.pdf )
  13. Product information: COVID-19 vaccine Biontech/Pfizer (Comirnaty) (https://www.ema.europa.eu/en/documents/other/comirnaty-product-information-approved-chmp-8-january-2021-pending-endorsement-european-commission_en.pdf)
  14. Fernando P Polack  1 , Stephen J Thomas  1 , Nicholas Kitchin  1 , Judith Absalon  1 , Alejandra Gurtman  1 , Stephen Lockhart  1 , John L Perez  1 , Gonzalo Pérez Marc  1 , Edson D Moreira  1 , Cristiano Zerbini  1 , Ruth Bailey  1 , Kena A Swanson  1 , Satrajit Roychoudhury  1 , Kenneth Koury  1 , Ping Li  1 , Warren V Kalina  1 , David Cooper  1 , Robert W Frenck Jr  1 , Laura L Hammitt  1 , Özlem Türeci  1 , Haylene Nell  1 , Axel Schaefer  1 , Serhat Ünal  1 , Dina B Tresnan  1 , Susan Mather  1 , Philip R Dormitzer  1 , Uğur Şahin  1 , Kathrin U Jansen  1 , William C Gruber  1 , C4591001 Clinical Trial Group.  Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine, N Engl J Med: 2020 Dec 31;383(27):2603-2615 doi: 10.1056/NEJMoa2034577. Epub 2020 Dec 10 (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7745181/)
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  16. Alicia T Widge  1 , Nadine G Rouphael  2 , Lisa A Jackson  3 , Evan J Anderson  2 , Paul C Roberts  4 , Mamodikoe Makhene  4 , James D Chappell  5 , Mark R Denison  5 , Laura J Stevens  5 , Andrea J Pruijssers  5 , Adrian B McDermott  4 , Britta Flach  4 , Bob C Lin  4 , Nicole A Doria-Rose  4 , Sijy O'Dell  4 , Stephen D Schmidt  4 , Kathleen M Neuzil  6 , Hamilton Bennett  7 , Brett Leav  7 , Mat Makowski  8 , Jim Albert  8 , Kaitlyn Cross  8 , Venkata-Viswanadh Edara  2 , Katharine Floyd  2 , Mehul S Suthar  2 , Wendy Buchanan  4 , Catherine J Luke  4 , Julie E Ledgerwood  4 , John R Mascola  4 , Barney S Graham  4 , John H Beigel  4 , mRNA-1273 Study Group. Durability of Responses after SARS-CoV-2 mRNA-1273 Vaccination. N Engl J Med; 2021 Jan 7;384(1):80-82.doi: 10.1056/NEJMc2032195. Epub 2020 Dec 3. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7727324/)
  17. WHO: Draft landscape and tracker of COVID-19 candidate vaccines (https://www.who.int/publications/m/item/draft-landscape-of-covid-19-candidate-vaccines)

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