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Interview mit dem Impfexperten

Im Gespräch mit Dr. Reinhard Würzner von der Med-Uni Innsbruck gehen wir dem Thema Impfen – vor allem im schulischen Umfeld – auf den Grund. Der Impfexperte erklärt anschaulich, was bei der Impfung passiert, wie sie Leben retten kann und wieso er gegen eine Impfpflicht ist.

 

„JEDER GEIMPFTE MENSCH RETTET NACHWEISLICH LEBEN“

 

Der Mikrobiologe und Impfexperte Reinhard Würzner von der Medizinischen Universität Innsbruck erklärt im Interview mit JUNGÖSTERREICH, wie Corona-Impfstoffe funktionieren, weshalb er Langzeit-Nebenwirkungen für unwahrscheinlich hält und warum er gegen eine Impfpflicht ist. Einen relativ normalen (Schul-)Alltag prognostiziert er für Winter 2022.

 

JUNGÖSTERREICH: Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Fugen geraten lassen. Seit knapp einem Jahr leben wir in einem Ausnahmezustand. Kann durch eine Impfung bald wieder eine Form von Normalität erreicht werden?

Dr. Reinhard Würzner: Ja, das glaube ich tatsächlich. Wobei wir uns darauf einstellen müssen, dass einige Maßnahmen vorerst andauern werden: Man wird auch weiterhin mehr Distanz zu Personen wahren müssen, die man nicht so gut kennt. Ich kann mir auch vorstellen, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln noch über eine längere Zeit hinweg Maskenpflicht herrschen wird und in Ämtern oder Banken Abstand gewahrt werden muss. All das wird die Krankheitslast im Winter reduzieren. Wenn man dazu die Zahl derer nimmt, die nach einer überstandenen Infektion immun gegen das Virus sind, sowie die Zahl derer, die sich nun impfen lassen, könnte es gut sein, dass bis zum Winter 2022 alles wieder relativ normal läuft, wenn auch mit Zugangsbeschränkungen (Impfpass, Zugangstest).

 

 

Laut einer Studie ist die Impfskepsis in Österreich höher als in anderen Ländern. Wie lässt sich das erklären?

Würzner: Die Österreicherinnen und Österreicher waren dem Impfen gegenüber schon immer recht skeptisch eingestellt. Und auch die Deutschen sind keine Impfweltmeister. Das sieht man auch an den Influenza-Impfungen, die da wie dort nur bedingt angenommen werden. Es scheint fast so, dass es chic ist, sich gegen die Impfung zu wehren, weil man sich damit auch dem Establishment widersetzt. Dabei übersehen die Impfgegnerinnen und Impfgegner aber, dass ihr Widerstand Infektionen fördert, die sehr böse ausgehen können. Ich hoffe, dass im Kampf gegen die aktuelle Pandemie innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Europa ein Umdenken stattfindet und so wie in anderen Ländern erkannt wird, dass Impfen doch etwas Gutes ist.

Die Impfskepsis lässt sich aber auch damit erklären, dass wir Expertinnen und Experten es oft nicht geschafft haben, bestimmte Sachverhalte plausibel und klar zu vermitteln. Das Misstrauen gegenüber der Impfung hat auch mit einem Verständnisproblem zu tun: Und da sind wir gefragt, das ist unsere Bringschuld.

 

 

Dass die Entwicklung und Zulassung der Impfstoffe im Eiltempo über die Bühne gegangen ist, schürt auch Ängste. Unter anderem jene vor Langzeit-Nebenwirkungen. Sind diese Ängste begründet?

Würzner: Das Eiltempo lässt sich damit erklären, dass im administrativen Bereich einiges abgekürzt wurde und weniger Labor- und Tierversuche gemacht wurden. Die wichtige Phase III, also die kontrollierte Austestung am Menschen, ist jedoch mindestens genauso lange gelaufen wie bei allen anderen Impfstoffen zuvor. Dabei hat man festgestellt, dass die Impfung genauso gut verträglich ist wie vergleichbare andere Impfungen. Langzeit-Nebenwirkungen kann man zum aktuellen Zeitpunkt nicht hundertprozentig ausschließen, das kann man erst in sechs bis neun Monaten beurteilen. Aber aufgrund der Struktur der Impfstoffe gehe ich gehe davon aus, dass Langzeit-Nebenwirkungen ziemlich unwahrscheinlich sein werden.

 

 

In Österreich sind bislang die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Bei beiden handelt es sich um mRNA-Impfstoffe. Wie funktionieren diese?

Würzner: Die mRNA (messenger Ribonukleinsäure, Anm.) ist verkapselt mit Fettsäuren. Innerhalb dieser Verkapselung kann nun ein Bauplan für ein Virus-Eiweiß eine Zelle erreichen. Das heißt: Eine körpereigene Zelle baut ein Virus-Eiweiß auf, weil es den Bauplan dafür hat. In der Folge wird dieser Bauplan zerstört, die mRNA geht also kaputt. Dann werden Antikörper gegen das Virus-Eiweiß gebildet und nach wenigen Wochen sind auch diese Eiweiße nicht mehr da. Vom Impfstoff ist also nichts mehr übrig. Was bleibt, sind die Antikörper und die Immunzellen, die auf den „Feind“ warten. Weil relativ schnell nichts mehr von der Impfung im Körper ist, sind Langzeit-Nebenwirkungen also ziemlich unwahrscheinlich.

 

 

Muss man sich davor fürchten, dass durch diese mRNA-Impfstoffe das Erbgut verändert wird?

Würzner: Nein. Es gibt nur ganz wenige Viren, die es in der ganzen Menschheitsgeschichte geschafft haben, kleine Teile in das Erbgut hinein zu bringen. Das heißt: Wir haben tatsächlich Erbgut von Viren in unserer DNA. In diesem Fall ist das aber nicht möglich, weil ja eine mRNA injiziert wird, die nicht in den Zellkern eindringt und damit auch nicht in die DNA des Menschen eingebaut werden kann.

 

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Carolina Flatscher

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